BUND möchte beim nächsten Termin der Arbeitsgruppe "Abfallentsorgung" einen weiteren Experten dabei haben

Gesundheitliche Risiken einer MVA in Delitzsch prüfen

Delitzsch. Im September soll der Delitzscher Kreistag darüber entscheiden, ob im Südwesten der Kreisstadt eine Müllverbrennungsanlage gebaut wird oder der Restmüll außerhalb der Kreisgrenzen verarbeitet wird, weil ab 2005 unbehandelte Abfälle nach bestimmten Kriterien nicht mehr auf Deponien verkippt werden dürften. Die von Landrat Michael Czupalla initiierte Arbeitsgruppe "Abfallentsorgung", der seit Mai auch der BUND angehört, hat sich bisher in fünf Sitzungen mit den technischen, juristischen, wirtschaftlichen, administrativen Aspekten und verschiedenen Varianten eines Abfallwirtschaftskonzepts beschäftigt. Nach Auffassung des BUND fehlt für die bevor stehende Entscheidung des Kreistages bislang aber die Einschätzung "der unvermeidbaren gesundheitlichen Risiken aus dem Betrieb thermischer und anderer Abfallbehandlungsanlagen". Hans-Udo Weiland von der Kreisgruppe Delitzsch-Eilenburg des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Sachsen e. V., hat sich deshalb schriftlich an den Landrat gewandt und ihn gebeten, dieses wichtige Thema auf die Tagesordnung der nächsten Beratung der Arbeitsgruppe am 12. September zu setzen. "Wegen der exponierten Lage einer möglichen Müllverbrennung in Delitzsch halte ich eine Gefahrenabschätzung der Emissionen im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung für dringend geboten. Dabei sind die primären Schadstoffeinträge über die Luft genauso zu untersuchen wie die Belastung über die Nahrungskette (Weidewirtschaft und Ackerbau) unter besonderer Berücksichtigung der Schadstoffanreicherung im menschlichen Organismus. Unserer Meinung nach reicht es nicht aus, dass die geltenden, sich am Stand des technisch Machbaren orientierenden Emissionswerte eingehalten oder unterschritten werden. Zu erwartende gesundheitliche Gefährdungen aus dem Betrieb einer Müllververtungsanlage müssen in die Entscheidung des Kreistages mit einbezogen werden, zumal eine der denkbaren Alternativen die externe Entsorgung der im Landkreis Delitzsch anfallenden relativ geringen Restmüllmenge ist." Außerdem schlägt Weiland vor, den Sprecher des Bundesarbeitskreises Abfall im BUND Dr. Hartmut Hoffmann als Experten in allen Fragen einer ökologischen Abfallwirtschaft zur Sitzung einzuladen.

red.

LVZ, 29.07.2000